Weisse und braune Hühnereier - gibt es Unterschiede?
Eine statistische Annäherung
R. Schmitz - Scherzer
Wenngleich die Eier unserer
Haushühner in ihrer Grösse, ihrem Gewicht sowie ihrer Form und Farbe bei weitem
nicht die Variationen der wildlebenden Hühnervögel und erst recht nicht die der
Vögel in ihrer Gesamtheit aufweisen, ist es doch interessant, diese einmal aus
einer oologischen Perspektive (Oologie ist die Wissenschaft von den Eiern der
Lebewesen) statistisch zu untersuchen.
Zu diesem Zweck wurde unter Bezug auf die neueste Ausgabe des "Deutschen
Geflügelstandards", der offiziellen Musterbeschreibung der Geflügelrassen des
Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V., eine Aufstellung aller dort
befindlichen und im vorliegenden Zusammenhang relevant erscheinenden
Informationen über Eier und körperliche Merkmale von insgesamt 163 Hühner - und
Zwerghühnerrassen erstellt.
Im Einzelnen handelte es sich um folgende Merkmale:
der Rassetypus
das durchschnittliche Gewicht der weiblichen Tiere
das durchschnittliche Gewicht der Eier
die durchschnittliche Legeleistung im ersten Jahr
die Schalenfarbe der Eier
die Farben der Augen, der
Schnäbel und der Läufe
1. Ergebnisse
Die ersten Analysen der
quantitativen Merkmale ergaben folgendes Bild (Tab. 1):
Tab. 1: Statistische Kennwerte einiger oologischer Masse
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Die Tabelle 1 zeigt erhebliche
Schwankungen der erhobenen Masse. Diese sind zum einen sicherlich darauf
zurückzuführen, dass auch Zwerghühner und verzwergte Rassen in die Datensammlung
aufgenommen wurden. Andererseits sind aber gerade diesbezügliche Schwankungen
ein Kennzeichen aller biologischer Masse. Sie weisen alle eine mehr oder minder
ausgeprägte Variabilität auf. Letztlich ist diese auf die Wirkungen der
vielfältigen und zuweilen auch höchst unterschiedlichen externen und genetischen
Faktoren zurückzuführen.
Für den Autor gab es auch keinen einleuchtenden Grund bei einer Untersuchung wie
der vorliegenden Zwerghühner und verzwergte Rassen nicht zu berücksichtigen -
was bei anderen Fragestellungen durchaus angebracht gewesen wäre.
Zu den qualitativen Massen ist folgendes festzustellen: Die Farben der Eier
variierten deutlich: 86 der erfassten 163 Eier (ca. 52 %) wurden als weiss bzw.
weiss in verschiedenen Tönungen angegeben, 31 als gelb, auch in verschiedenen
Tönungen (ca. 19 %) und 39 als braun oder braun in unterschiedlichen Tönungen
bezeichnet (ca. 24 %). Die restlichen Eier wurden zweimal als grün, bzw. türkis
bezeichnet und einmal als rötlich-braun, von 5 Eiern lagen keine diesbezüglichen
Informationen vor.
Wie in der Oologie der Vogeleier generell stösst natürlich auch die
Farbbestimmung der Eier, der Ohrlappen oder Ohrscheiben, der Schnäbel, der Augen
und der Läufe der Haushühner auf Schwierigkeiten. Dies liegt einmal an den
Variationen der Farben und Farbtöne überhaupt, zum anderen aber auch an der
notwendigerweise einzukalkulierenden Subjektivität der Betrachter und
Beurteiler.
Dies sind auch die Gründe für z. T. differierenden Angaben in der Literatur. Die
Eischalenfarbe hellt sich zudem oft mit zunehmendem Alter auf, während die
Eianzahl ab der zweiten Legeperiode eher abzunehmen scheint (Hattenbauer in
Legel 1993, Romanoff und Romanoff 1949). Oft wird auch eine deutliche Steigerung
des Gewichts der Eier mit zunehmendem Alter beobachtet. Allerdings gibt es auch
gegenteilige Befunde, die von einer Abnahme des Eigewichts ab der zweiten
Legeperiode berichten (Hattenbauer in Legel 1993). Inwiefern hier allerdings
Züchtungsbedingungen eine Rolle spielen, müsste noch sorgfältig untersucht, da
auch hier gegenteilige Befunde berichtet werden und sich die in Massenhaltungen
gewonnenen Befunde von solchen aus kleineren Rassenhaltungen offensichtlich sehr
unterscheiden können.
Hygienische Bedingungen, Ernährung, Stress, die Tageszeit der Eiablage (Hattenbauer
in Legel 1993) und Infektionen können darüber hinaus zusätzlich zu Veränderungen
der Eischalenfarbe und des Eigewichts führen. Zudem unterliegen die
Schalenfarbe, die Form und das Gewicht der Eier eines einzigen Huhnes nicht
selten auch dann deutlichen Variationen, wenn die Haltungsbedingungen und der
Gesundheitszustand in ihrer Gesamtheit unverändert bleiben.
Ausser den weissen, gelben und braunen Eier gibt es unter den Eiern der
Haushühner auch gefleckte Eier. Allerdings lässt sich die Zugehörigkeit eines
Eis zu einem bestimmten Rassetypus kaum mehr sicher feststellen. Zu verworren
sind die Zuchtwege im Laufe der vielen Jahre, Jahrzehnte und Jahrtausende.
Natürlich kann man z. B. Cochin Eier von weissen Leghorneiern wegen ihrer
bräunlich - gelben Grundfarbe und ihrer Flecken unterscheiden, doch dies ist
eher ein seltenerer Fall. Flecken kommen vor allem bei gelblicher und
bräunlicher Grundfarbe immer wieder vor. Schönwetter (1961 - 1971) berichtet
darüber (S. 262, Bd. 1).
Zudem sind die Färbungen der Eier auch genetisch determiniert. So dominiert das
Blau, besser Türkis der Araukanereier die weisse Farbe, während Braun polygen
bestimmt ist und sich gegenüber Weiss intermediär verhält. Wahrscheinlich ist es
auch die Mischung von Braun mit Weiss, die an der Bildung gelblicher Farbtöne
beteiligt (Schönwetter 1961 - 1971, S. 262, Bd.1).
Wie hängen nun die unterschiedlichen Masse miteinander zusammen? Tab. 2 gibt
einen Überblick über die Masse der errechneten Zusammenhänge (Korrelationen).
Die Tab. 2 lässt erkennen, dass es z. T. erhebliche statistische Zusammenhänge
zwischen einzelnen Merkmalen gibt. So korrelieren das Gewicht der weiblichen
Tiere sowie die durchschnittliche Legeleistung sehr hoch mit dem Gewicht und
damit mit der Grösse der Eier. In der Literatur werden z. T. geringere
wenngleich auch signifikante Korrelationen berichtet (Legel 1993).
Doch gilt der Zusammenhang je schwerer das Ei, desto schwerer auch das Huhn nur
in Grenzen, da dieser Zusammenhang nicht linear ist, sondern hyperbolisch: je
höher das Gewicht der Hennen, desto stärker ist der Zusammenhang mit dem
Eigewicht. Der geringere Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen
Legeleistung im ersten Jahr und dem Eigewicht ist dagegen eher linear: je höher
die durchschnittliche Legeleistung im ersten Jahr, desto höher ist auch das
Durchschnittsgewicht der Eier.
Tab. 2: Statistische Zusammenhänge
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Da aber alle erhobenen Masse mehr
oder minder miteinander im Zusammenhang stehen, lohnt es sich, die statistische
Analyse zu verfeinern.
Nimmt man eine Kontrolle des statistischen Einflusses des Gewichts der Hennen
vor, zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen
Legeleisung im ersten Jahr und dem Eigewicht (und natürlich auch des Eigewichts
mit der durchschnittlichen Legeleistung) erheblich ansteigt. Demnach scheinen
also vor allem die durchschnittliche Legeleistung und das Durchschnittsgewicht
der Henne mit dem Eigewicht in Beziehung zu stehen. Alle drei Merkmale
korrelieren 0.91, d. h., dass über 80 % ihres gemeinsamen Zusammenhangs
aufgeklärt werden können.
Allerdings zeigt sich auch, dass diese Masse zur Vorhersage des Eigewichts nur
mit einer statistischen Sicherheit von ca. 35 % über den Zufall hinaus beteiligt
sind. Dass heisst, dass eine Vielzahl von in dieser ersten Analyse nicht
eingeflossenen Elementen noch zusätzlich auf das Eigewicht einwirken müssen.
Hierzu zählen nicht an letzter Stelle genetische Einflüsse, die bei einer
grossen Anzahl wirksamer externer Faktoren natürlich schwer zu isolieren sind.
Die hier berichteten ersten Resultate einer Analyse zeigen die komplexen
Beziehungen zwischen den Charakteristika von Eiern und anderen Merkmalen auf.
Sie deuten darauf hin, dass eine Vielzahl hier nicht erfasster Merkmale noch mit
im Spiel sein könnten und bei Hausgeflügel wohl auch solche der ursprünglichen
Wildformen und vor allem genetische Aspekte sicherlich noch eine Rolle spielen.
Weisse und braune Eier
Wie Rauch und Wegner in der
Geflügelbörse 14 / 1987 feststellten, legen vorwiegend leichte Mittelmeer- und
nordwesteuropäische Rassen Eier von weisser Schalenfarbe, während braune Eier
überwiegend von mittelschweren bis schweren, sog. asiatischen Rassen gelegt
werden. In Bezug auf die weisse Schalenfarbe bestätigen die in der vorliegenden
Analyse erhaltenen Befunde Rauch und Wegner. Ergänzend fand sich aber, dass auch
Haubenhühner und ihre Verwandten, sowie eigentliche Zwerghühner - also nicht
verzwergte Rassen - meistens Eier mit weisser Schalenfarbe legen, wohingegen
Kämpfer und ihre Verwandten sowie die Rassen des Asiatischen Typs vor allem Eier
von gelber, gelblicher und brauner Schale legen.
Es gibt Vermutungen, denen zufolge die Photosensibilisation durch Porphyrine
einen Einfluss auf die Eifärbung insofern haben kann, als weissgefiedrige Hühner
eher gefärbte und Hühner mit dunklem oder gar schwarzem Gefieder eher weisse
Eier legen. Dies konnte in der vorliegenden Studie nicht gesichert werden.
Oologisch ergibt sich, dass weisse Eier bei reinrassigen Leghorn, Italienern,
Minorka und anderen Mittelmeerrassen, gelbe und braune dagegen bei Cochin,
Rhodeländern, Orpington, Langschan, Brahma und anderen asiatischen Rassen
vorkommen. Alle Hühnereier tragen übrigens ihre Farben auf der Oberfläche ihrer
Kalkschalen und nicht in diese eingelagert, was bei vielen Vögeln neben der
Kombination beider Phänomene vorkommt.
Andererseits scheinen das durchschnittliche Gewicht der Hennen und das relative
Eigewicht - ein in der Oologie vielverwendetes Mass - durchaus mit der Farbe der
Eischalen in Beziehung zu stehen. Dies zeigt sich auch in der vorliegenden
Datensammlung, in der das Durchschnittsgewicht der weiblichen Tiere, die braune
Eier legen bei 1811 gr, das der Tiere, die weisse Eier legen bei 1359 gr liegt.
Allerdings liegt das Durchschnittsgewicht der Tiere mit gelblichen Eiern bei
1937 gr.. Nimmt man die als gelb oder gelblich bezeichneten Eier aus der
Rechnung heraus, so ergebnen sich für die drei Farbgruppen folgende Werte (Tab.
3):
Tab. 3: Gewichtsangaben für die Hennen, die weisse, gelbe
(auch gelbliche) und braune Eier legen in g
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Sortiert man jedoch die braunen
und weissen (sowie gelblichen) Eier nach dem Gewicht ergibt sich in deren
Durchschnittsgewicht nur eine Differenz von ca. einem Gramm: die braunen Eier
wiegen 46 gr, die weissen dagegen 45 gr. im Durchschnitt. Mit dem Gewicht der
Eier weist die Schalenfarbe demnach kaum einen sehr " gewichtigen ", aber
statistisch gesehen dennoch engen Zusammenhang auf.
Andererseits zeigt gerade ein in der Oologie häufig benutztes Mass deutliche
entsprechende Zusammenhänge, nämlich ein Index aus dem Eigewicht und dem
Körpergewicht nach der Formel: Frischeigewicht x 100 / Körpergewicht, der in der
Literatur als relatives Eigewicht bekannt ist. Dieses relative Eigewicht
schwankt in der hier zu Grunde gelegten Datensammlung zwischen 1,3 und 8,0 bei
einem Mittelwert von 3,4 Prozent. Das relative Eigewicht beträgt für weisse 3,7
und für braune Eier 3,0 Prozent. Die mittels spezieller Formeln errechneten
Oberflächengrössen und Volumina zeigen die höchsten Werte für braune und die
niedrigsten für weisse Eier. Dies ist auf die durchschnittlich etwas grössere
Grösse der braunen Eier und damit ihr schon erwähntes etwas schwereres Gewicht
zurückzuführen..
Rauch und Wegner weisen in der schon zitierten Arbeit darauf hin, dass die
Ohrscheiben bzw. die Ohrlappen der Hühner ebenfalls mit der Schalenfarbe ihrer
Eier in einem Zusammenhang stehen. Demzufolge kommen weisse oder bläulich-weisse
Ohrscheiben vermehrt bei den weisse Eier legenden leichteren Rassen vor, rote
dagegen bei den schwereren Rassen, die eher braunschalige Eier legen. Unsere
Rechnungen ergaben, dass solche Hühner mit weissen und bläulich-weissen
Ohrscheiben fast ausschliesslich weisse Eier legen, dagegen von insgesamt jenen
75 Hennen mit roten Ohrscheiben in 41 Fällen weissschalige und in 34 Fällen
braunschalige Eier gelegt werden.
Geht man davon aus, dass die Farbe der nicht oder kaum befiederten Körperteile
Zusammenhänge mit der Schalenfarbe der Eier aufweisen kann - wie zuvor an den
Ohrlappen oder Ohrscheiben gezeigt - so lohnt es sich auch die Farbe der Augen,
des Schnabels und der Läufe in die Analyse einzubeziehen. Freilich können dabei
keine Aufschlüsse über den physiologischen Vorgang der Eifarbenentstehung und
überhaupt der Farbbildung an Körper, Federn und Haut und deren genetischer
Grundlegung bei den Hennen erwartet werden, doch könnten eventuell aufzufindende
Zusammenhänge von grossem Interesse sein wenn es um Fragen der Bedeutung von
Farben im Tierreich und generell hier bei Haushühnern geht.
Die Augenfarbe hat keinen systematischen Einfluss auf die Schalenfarbe der Eier:
Darauf deuten auch schon die Variationen hin, die die Augenfarbe mit den
verschiedenen Farbschlägen einzelner Rassen und innerhalb einiger Rassen selbst
zeigen kann. Dennoch lassen sich einige Tendenzen antreffen, die jedoch mit
grosser Vorsicht zu interpretieren sind: Augen von brauner und gelber Grundfarbe
treten eher bei solchen Hennen auf, die weisse ( und gelbliche ) Eier legen.
Ähnliches stellt sich bei der Analyse der Farben des Schnabels heraus. Zeigt der
Vergleich der Schnabelfarben mit den Farben der Ohrscheiben oder Ohrlappen
schon, dass rote Ohrlappen bzw. Ohrscheiben vor allem bei jenen Tieren
vorkommen, die gelbe und gelbliche Schnäbel haben und graue oder schwarze sowie
blaue Schnäbel bei jenen, die weisse Ohrlappen oder Ohrscheiben aufweisen, so
finden sich auch einige Zusammenhänge der Schnabelfarben mit jenen der Eischalen
- trotz der vielen Varianten bei unterschiedlichen Farbschlägen innerhalb einer
Rasse und bei den Rassen selbst. Eine abgesicherte statistische Tendenz deutet
nämlich darauf hin, dass hornfarbige, schwarze und dunkelgraue sowie blaue
Schnabelfarben insbesondere bei jenen Hennen zu finden sind, die weisse oder
gelbliche Eier legen, wohingegen die Schnabelfarben Gelb, Weiss und Fleischfarbe
keine deutliche Differenzierung mit den Schalenfarben der Eier zu zeigen
scheinen.
Im deutschen Geflügelstandard wird oft auf eine Korrelation zwischen
Schnabelfarbe und Lauffarbe hingewiesen. Dies lässt sich auch statistisch
belegen. So finden sich die Variationen der Schnabelfarben mit den Farbschlägen
innerhalb einer Rasse mit denen der Lauffarben überzufällig häufig bei den
gleichen Tieren. Fleischfarbene, blaue und gelbe Läufe sind überzufällig bei den
Tieren zu finden, die auch gelbe, blaue und fleischfarbene Schnäbel aufweisen.
Graue, schieferfarbene und schwarze Töne der Läufe korrelieren ebenfalls mit
solchen Farben und Farbtönungen der Schnäbel. Nur hornfarbene Tönungen der
Schnäbel finden sich praktisch bei allen Farbtönen der Läufe, weisen also
keinerlei Zusammenhänge zu den Lauffarben auf.
Die Untersuchung der Lauffarben zeigt in Bezug auf die Schalenfarbe der Eier
folgendes Bild: vor allem braune Eischalen kovariieren mit gelbfarbenen Läufen,
weisse Eischalen kommen vermehrt bei allen anderen Farbtönungen der Läufe vor.
Da die Pigmente der Läufe mit denen der Haut und des Gefieders vielen
Beobachtungen zufolge sehr oft gekoppelt sein sollen, würden weitere
Untersuchungen in diesem Feld - z. B. zum Zusammenhang zwischen Gefiederfärbung
und Eischalenfarbe - sehr lohnen.
Bei der weiteren interpretativen Klärung solcher Befunde spielen natürlich
genetische Prozesse sicher eine gewichtige Rolle. Von Lüttwitz (1989) berichtet
über genetische Fragen im Zusammenhang mit der türkisen Farbe der Eischalen der
Araukana Eier. Die Grünschaligkeit - besser Türkisschaligkeit - der Araukana
Eier beruht nach diesem Bericht auf einem dominanten Gen, welches im Erbgang den
Mendelschen Regeln gehorcht. Dabei gelangt der türkise bzw. grünliche Farbstoff
in die Eischale selbst, während der Farbstoff, der für die braune Farbe von
Hühnereiern verantwortlich ist nur die äusserste Haut, die der eigentlichen
Kalkschale aufgelagert ist, braun färbt. Es wäre interessant, diesbezügliche
Untersuchungen und Analysen auch für Hühner, die braunschalige und weiss- sowie
gelbschalige Eier legen, anzufertigen, da - wie bereits erwähnt - auch
festgestellt wird, dass dort der jeweilige Farbstoff den Eierschalen nur
aufgelagert scheint. Auch dass die braune Farbe dominant vererbt wird, wird oft
festgestellt aber die polygene Eigenschaft des Braun bei intermediärem Erbgang
wird ebenfalls vermutet (Schönwetter 1961 - 1971, S. 262, Bd.1).
Bislang lässt sich zu der Frage der Variationen der Farbe der Eierschalen mit
den einzelnen und z. Zt. üblichen und anerkannten Kategorien einer
Rassengruppierung (der Begriff der Rasse wird hier nicht im biologischen Sinn
verwendet) nur sagen, dass - wie zu erwarten - bei den sog. asiatischen Typen
die braunschaligen Eier deutlich überwiegen und kein weissschaliges Ei vorkommt,
während bei den Mittelmeertypen und den Nordwesteuropäischen Varianten nur
weissschalige Eier auftreten. Auch dies war zu erwarten wie auch die eindeutige
Vorherrschaft weissschaliger Eier bei Haubenhühnern und eigentlichen
Zwerghühnern.
Dieses an sich stimmige Gesamtbild erhält sich allerdings nur, wenn die gelblich
gefärbten Eier aus der Rechnung ausgeschlossen werden. Werden diese mit
berücksichtigt, zeigen die Rassetypen der Zwischentypen und der Kämpfer und
ihrer Verwandten weisse, gelbe und braune Eier - freilich in z. T. sehr
unterschiedlichen Farbtönen. Mit anderen Worten: die Dominanz der braunschaligen
Eier bei den asiatischen Typen löst sich auf zu einer nahezu gleichen Häufung
von gelblichen und braunen Eiern - wahrscheinlich eine Folge der vielen
Züchtungsarbeiten bei vielen Hühnern dieses Rassetyps.
Zusammenfassende Schlussbemerkung
Schon diese wenigen und sicher
auch vorläufigen Resultate der vorliegenden Untersuchung zeigen, wie lohnend
weitere Analysen in diesem Felde sein dürften. Dabei wird es immer um die Frage
gehen, welche Rolle die einzelne Farbe in der Gesamtstruktur der optischen
(Wahrnehmungs-) Welt der Hühner spielt, denn auch die Farbe der Eier kann genau
wie die der Läufe, der Ohrscheiben, des Schnabels und der Augen für die
(optische) Wahrnehmung der Hühner eine Rolle spielen. Leider finden sich hierzu
in der erreichbaren Literatur nur wenig Informationen.
Im vorliegenden Zusammenhang sind deshalb alle Beobachtungen, Hinweise,
Korrekturen und Meinungen von Züchtern und Liebhabern notwendig und dem Autor
mit herzlichem Dank willkommen. Insbesondere dürfte sich der Einbezug weiterer
Eimasse, der Eiformen, die Erstellung eines "Farbschlüssels" und die
Differenzierung der Legeleistungen für das erste und das zweite Lebensjahr
lohnen.
Literatur
Burkhardt, D.: Die Welt mit
anderen Augen. Wie Insekten und Vögel die Welt und ihre Farben sehen. In:
Biologie in unserer Zeit. 19. Jahrg., Nr. 2, 1989, S. 37 - 46
Deutscher Rassegeflügel-Standard. November 1995, Howa Druck Nürnberg
Legel, S. ( Hrsg. ): Nutztiere der Tropen und Subtropen. 3 Bde.. ( Im Bd. 3 die
Beiträge von Heynold und Hattenbauer über Geflügel, S. 321 - 622 ) Hirzel,
Stuttgart - Leipzig 1993
Lüttwitz v., M.: Geheimnisvolle Hühnereier. In: Geflügel Börse 6 / 1989, S. 2 f.
Rauch, H. - W. und R. - M. Wegner: Variationen der Schalenfarbe brauner Eier.
In: Geflügel Börse 14 / 1987, S. 4 f.
Romanoff, A. L. und Romanoff, A. J.: The Avian Egg. John Wiley and Sons, New
York 1949
Schönwetter, M.: Handbuch der Oologie. ( in der Bearbeitung von W. Meise ).
Akademie Verlag, Berlin 1961 - 1971